Jerzy Waldemar Jarociński
Waldemar-George oder Waldemar George (eigentlich Jerzy Waldemar Jarociński; * 10. Januar 1893 in Łódź, Russisches Kaiserreich; † 27. Oktober 1970 in Paris) war ein französischer Kunstkritiker, Kunsthistoriker und Essayist polnischer Herkunft.
Also recorded as George Waldemar · Jerzy Waldemar Jarosinski · George Jarocinski · Waldemar George
Jerzy Waldemar Jarociński
- Full name
- Jerzy Waldemar Jarocinski.
- Born
- 1893. · Łódź.
- Died
- 1970. · 6th arrondissement of Paris.
- Nationality
- Poland and France.
- Occupation
- art critic, art historian, poet and editor-in-chief.
- Languages
- French and Polish.
In this article
Herkunft und Ausbildung
Er gilt als einer der einflussreichsten Kunstkritiker der Pariser Zwischenkriegszeit und als Förderer der École de Paris.
Jerzy Waldemar Jarociński wurde am 10. Januar 1893 in Łódź geboren, das damals zum russisch verwalteten Königreich Polen (Kongresspolen) gehörte. Er entstammte einer polnisch-jüdischen Familie: Sein Vater Stanisław Jarociński (1852–1934) war Industrieller und Bankier, seine Mutter Regina Eugenia war eine geborene Goldfeder. Mütterlicherseits war er ein Neffe von Maksymilian Goldfeder. Ein weiterer Verwandter war die spätere Agentin Krystyna Skarbek (Cousine zweiten Grades). Jerzy Waldemar Jarociński übersiedelte 1911 nach Frankreich und studierte Literaturwissenschaft an der Sorbonne (Universität Paris).
Erste kritische Tätigkeit und Erster Weltkrieg
Seine publizistische Tätigkeit begann 1913 mit Beiträgen in der Zeitschrift La Revue, in der er über gesellschaftliche Ereignisse in Europa schrieb. Im Mai 1914 wurde er Kunstkritiker der Revue La Phalange und Reporter des Paris-Journal. Mit Kriegsbeginn meldete er sich im August 1914 freiwillig zur französischen Armee. Für diesen Dienst wurde ihm nach dem Ersten Weltkrieg die französische Staatsbürgerschaft verliehen. Fortan verwendete er das Pseudonym Waldemar-George (auch Waldemar George oder Waldemar Georges). In Paris heiratete er Claude Lavalley (1902–1989), die Tochter des Malers Alexandre-Claude-Louis Lavalley (1862–1927). Durch diese Ehe wurde er zum Schwager des Malers Paul Lavalley (1883–1967).
Zweiter Weltkrieg und Verfolgung
Während der deutschen Besatzung Frankreichs verließ Waldemar-George Paris und lebte im Untergrund, um den antisemitischen Gesetzen zu entgehen. Er fand mit seiner Frau und seinem Sohn zunächst Zuflucht im Bouches-du-Rhône, dann im Var, der damaligen italienischen Besatzungszone. Dort wurde er zeitweise im Dominikanerkloster Saint-Maximin-la-Sainte-Baume versteckt. Nach der Vertreibung durch den deutschen Vormarsch gelangte die Familie mit gefälschten Papieren zum Mont-Saint-Michel, wo Waldemars Mutter die gesamte Kriegszeit verbrachte. Im September 1944 kehrte er nach Paris zurück und nahm seine Tätigkeit als Kunstkritiker wieder auf.
Herausgebertätigkeit und Zwischenkriegszeit
Im Laufe seiner Karriere leitete Waldemar-George drei kunstkritische Zeitschriften: • L’Amour de l’art (1920–1926), gemeinsam mit Louis Vauxcelles, • Formes: Revue internationale des arts plastiques (1929–1934), die 1935 mit L’Amour de l’art fusionierte. • Art et industrie (ab 1945), gemeinsam mit Max Fourny; diese Zeitschrift wurde im März 1956 in Prisme des arts umbenannt. Die Zeitschrift wurde 1924 von dem russischstämmigen Kritiker und Verleger Wladimir Walter (1893–1966) gegründet, der auch die Galerie des Quatre-Chemins in Paris betrieb. Gleichzeitig frequentierte er intensiv die Pariser Künstlerkreise und verfasste zahlreiche Monografien sowie theoretische Schriften.
Spätwerk
1958 fungierte er zusammen mit Max Fourny und Raymond Cogniat als wissenschaftlicher Herausgeber der Encyclopédie de l’art international contemporain (Prisme des arts). Waldemar-George starb am 27. Oktober 1970 im Alter von 77 Jahren in Paris.
Förderung der École de Paris
Waldemar-George zählte zu den ersten Kritikern, die die Künstler der École de Paris einem breiteren Publikum bekannt machten. Er verfasste frühe und wegweisende Texte über Marc Chagall, Chaïm Soutine, Isaac Frenkel, Juan Gris, Fernand Léger und Giorgio de Chirico. Daneben widmete er sich osteuropäisch-jüdischen Künstlern wie Alexandre Frenel sowie weiteren Malern wie François Baron-Renouard und dem Libanesen Joseph Terdjan.
Néo-Humanisme
In einem Artikel von 1934 formulierte Waldemar-George die Grundlagen eines Programms, das er als Néo-Humanisme bezeichnete. Dieses postulierte den Menschen als Maß aller Dinge in der Kunst und forderte eine Rückkehr zur figurativen Darstellung unter ethisch-ästhetischen Prämissen. Waldemar-George praktizierte dabei nach Einschätzung der Forschung eine sogenannte Kritik der Intention (critique d’intention): Er versuchte, das moralische oder geistige Thema eines Kunstwerks zu identifizieren und zu bewerten, ob dem Künstler dessen formale Umsetzung gelungen war. Mit dem Néo-Humanisme verbanden sich die Künstler Jean-Francis Laglenne, Christian Bérard und Léon Zack. In seinen theoretischen Schriften – darunter La Peinture italienne et le destin d’un art, L’Humanisme et l’idée de patrie, Vers un nouvel humanisme, Réfutation de Bernard Berenson und L’Esthétique de Hegel – entfaltete er seine kunsttheoretische Konzeption.
Politische Haltung in den 1930er Jahren
Die Forschung (insbesondere Yves Chevrefils Desbiolles, 2008 und 2016) hat dokumentiert, dass der Neo-Humanismus in den 1930er Jahren mit einer ausgeprägten Bewunderung für Benito Mussolini verbunden war. Am 27. März 1933 erhielt Waldemar-George durch Vermittlung des italienischen Galeristen und Kritikers Pier Maria Bardi eine Privataudienz bei Mussolini im Palazzo Venezia in Rom. Dabei legte er eigenen Angaben zufolge einen Entwurf für ein faschistisches Kunstprogramm auf Basis der römischen Antike vor. Diese politische Positionierung wird in der Sekundärliteratur als belastet und widersprüchlich bewertet – auch im Hinblick auf seine jüdische Herkunft. Waldemar George selbst publizierte die Schrift Aphorismes sur la dictature.
Nachkriegspositionen
Nach 1944 hielt Waldemar-George an seinen néo-humanistischen Überzeugungen fest und lehnte sowohl die abstrakte Malerei als auch jede deformierende Figuration ab. Gegen Ende der 1950er Jahre erkannte er in der informellen Malerei und im Tachismus eine für ihn akzeptable Form zeitgenössischen Ausdrucks.
Schriften (Auswahl)
• Enquête sur Paul Claudel, Éditions de La Phalange, Paris 1914. • Marc Chagall, NRF-Gallimard, Paris 1928. • Chirico, Éditions des Chroniques du Jour, Paris 1928. • Ossip Zadkine, Paris 1928. • Fernand Léger, NRF-Gallimard, Paris 1929. • Crotti, Éditions Graphis, Paris 1930. • Juan Gris, NRF-Gallimard, Paris 1930/31. • Epstein, Éditions Le Triangle, Paris 1932. • Hilaire Hiler et la Vision panoramique, Éditions des Quatre Chemins, Paris 1932. • Edward Wadsworth, London 1933. • Jacques Thiout, Galerie Claude, Paris 1948. • René Massat, Louis Latapie, Galerie J.-C. de Chaudun, Paris 1957. • Marcel Pagnol, Ambrogiani. L’homme et le peintre, Presses Artistiques, Paris 1961. • Roland Berthon, Galerie Bing, Paris 1964. • Édouard Goerg, Paris 1965. • Dessins d’Ingres, Paris 1967. • Larionow, Paris 1968. • Le monde imaginaire de Marcel Delmotte, Éditions Max Fourny, Paris 1969. • Aristide Maillol et l’âme de la sculpture. • Charles Delporte ou la nouvelle genèse. • 33 dessins de Aurelio de Felice, Paris 1960.
Literatur
• Yves Chevrefils Desbiolles, Le critique d’art Waldemar-George. Les paradoxes d’un non-conformiste, in: Archives juives. Revue d’histoire des Juifs de France, Bd. 41, Nr. 2, 2008, S. 101–120. • Yves Chevrefils Desbiolles, Waldemar-George, critique d’art. Cinq portraits pour un siècle paradoxal. Essai et anthologie, Presses universitaires de Rennes, Rennes 2016. • Yves Chevrefils Desbiolles, Waldemar-George et l’École de Paris. De l’éloge à l’injure, de l’injure à l’oubli, in: Pascale Samuel (Hrsg.), Les leçons de l’École de Paris, Musée d’art et d’histoire du Judaïsme, Paris 2021. • Matthew Affron, Waldemar George: A Parisian Art Critic on Modernism and Fascism, in: Matthew Affron, Mark A. Castor, Cécile Debray (Hrsg.), The Jewish Museum and the École de Paris, Princeton University Press, Princeton/Oxford 2022, S. 171–204.
Weblinks
• Institut Mémoires de l'édition contemporaine (IMEC): • Waldemar-George (1893–1970) – Bibliothèque nationale de France] • Institut national d'histoire de l'art • Praise for a Visionary, 1969 • „Der Sturm“ und seine polnischen Künstler 1910–1930
Named by the record
Places
Only places the record itself states, plotted where the house gazetteer settles their coordinates. Nothing is inferred from a name or a nationality.
Łódź.
Birth place
6th arrondissement of Paris.
Death place
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Text attribution
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The biographical narrative on this page is based on the Wikipedia article Waldemar-George, revision 270197579 (DE edition), by its contributors. VALÉORINE has edited that text and built its own documentary record around it. The reused material is available under CC BY-SA 4.0, and this page's reuse of it is offered under the same licence. Everything else on this page — the chronology, the holdings, the evidence, the plates and the connections — is VALÉORINE's own record. Sources and licences.
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Citations
References
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